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Projekte 2012

Hier finden Sie Informationen zu den im Jahr 2012 im Rahmen des KVF NRW geförderten Forschungsprojekten.

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Umweltzone Haushalt | Dr. Jasmin Geppert (Universität Bonn)

Rund ein Drittel des Stroms in Deutschland wird von privaten Haushalten genutzt. Besonders energieintensive Prozesse sind, neben der Warmwasserbereitung und der Beleuchtung, das Kochen, Kühlen, Waschen und Spülen.

Die stetige Weiterentwicklung der Geräte hat bereits zu erheblichen Effizienzverbesserungen geführt. Allerdings sind die technischen Möglichkeiten zur Senkung des Energieverbrauchs weitgehend ausgeschöpft. Zahlreiche Studien zum Energieverbrauch im Privathaushalt zeigen jedoch, dass ein großes Potential zur Senkung des Energieverbrauchs im Verbraucherverhalten liegt. Vielen Verbrauchern sind die Höhe des Verbrauchs ihrer Geräte und die möglichen Einsparpotenziale hingegen nicht bekannt. Zwar ist eine Vielzahl von Energiespartipps verfügbar, jedoch sind diese Tipps meist allgemeiner Natur und spiegeln das individuelle Verhalten eines Verbrauchers nicht wider.

Ziel des geplanten Projektes ist es, Möglichkeiten zur personalisierten Informationsbereitstellung sowie der Beeinflussung des Verbraucherverhaltens hin zu einem nachhaltigeren Umgang mit Ressourcen im Haushalt zu erforschen. Dabei soll der Verbraucher durch personalisierte Energiespartipps im Hinblick auf die Lagerung und Zubereitung von Nahrungsmitteln zu einem nachhaltigen Verhalten angeregt und damit die CO2-Emissionen sowie der Energieverbrauch ohne Einbußen von Lebensmittelsicherheit, Bequemlichkeit oder Komfort signifikant gesenkt werden.

Attraktive und gesunde Ernährung von Kindern | Prof. Dr. Mathilde Kersting (Forschungsinstitut für Kinderernährung Dortmund)

Gesunde Ernährung von Anfang an ist ein wichtiger Bestandteil der primären Prävention und damit einer effektiven Gesundheitsförderung. Allerdings klaffen nach wie vor große Lücken zwischen den präventiven Ernährungsempfehlungen und der Ernährungsrealität der meisten Kinder in Deutschland mit den Folgen einer weiten Verbreitung von Übergewicht und Adipositas.

Die Lebenswirklichkeit von Kindern wird heute durch industriell hergestellte Lebensmittel geprägt. Kinder sind eine stark umworbene Zielgruppe der Nahrungsmittelindustrie. Sie werden mit einer Vielzahl sogenannter "Kinderlebensmittel" gelockt, die allerdings von den präventiven Ernährungsempfehlungen vielfach abweichen und deswegen nicht zuletzt von Seiten des Verbraucherschutzes wiederholt dezidiert kritisiert wurden.

Es stellt sich die Frage, ob und inwieweit das bisher in der Regel eher geringe Interesse der meisten Kinder für eindeutig empfehlenswerte Nahrungsangebote im Sinne der Mahlzeiten in dem vom Forschungsinstitut für Kinderernährung entwickelten Präventionskonzepts der Optimierten Mischkost – kurz optmix - gesteigert werden kann, wenn auch die Ernährungswissenschaft und Verbraucherforschung sich attraktive, an Kinder gerichtete Marketingstrategien zunutze macht. Übergeordnetes Ziel des geplanten Vorhabens ist es, ernährungsphysiologisch optimierte Nahrungsprodukte für Kinder so attraktiv darzubieten, dass sie gegenüber nicht-optimierten, aber attraktiv vermarkteten Produkten konkurrieren können.

Perspektivisch soll mit dem aus dieser Pilotstudie hervorgehenden evaluierten methodischen Instrumentarium eine wissenschaftlich fundierte, ökonomisch unabhängige Verbraucher- und Marketingforschung im Bereich der Kinderernährung ermöglicht werden, die schließlich zu konkurrenzfähigen Werbestrategien für ernährungsphysiologisch optimierte Nahrungsangebote für Kinder im heutigen Lebensmittelmarkt und in der Gemeinschaftsverpflegung führt.

Forschungspartner

Center for Economics and Neuroscience (CENs), Universität Bonn.

Lehrstuhl Marketing, TU Dortmund.

Fakultät Life Sciences, Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW), Hamburg.

Schwellenkonzepte der Finanzkompetenz | Prof. Dr. Andreas Liening (TU Dortmund)

Zentrale Idee der Schwellenkonzepte ist es, dass diese den Zugang zu Denk- und Sichtweisen sowie Interpretationsansätzen ermöglichen, ohne die ein Fachgebiet nicht durchdrungen werden kann. Es handelt sich dabei um diejenigen herausragenden Konzepte eines Fachgebiets, die den Lernenden dieser Disziplin eine neue Gedanken- und Ideenwelt eröffnen, anhand derer die Wahrnehmung der Inhalts- und Gegenstandsbereiche dieses Faches, aber auch die eigene Wahrnehmung und die der eigenen Umwelt neu ausgerichtet wird.

Angesichts der didaktischen Bedeutung von Schwellenkonzepten wurden diese in verschiedenen fachdidaktischen Arbeiten aufgegriffen, die sich auf die Identifizierung von Schwellenkonzepten in der jeweiligen Fachdisziplin und deren Nutzen für die Fachdidaktik fokussieren. So identifizierten auch Davies und Mangan für die Wirtschaftswissenschaft ein erstes Schwellenkonzeptnetz und entwickelten auf dieser Basis ein Förderprogramm zur Stärkung ökonomischer Bildung. Die insgesamt neun identifizierten Schwellenkonzepte sind volkswirtschaftlich ausgerichtet und berühren die Finanzkompetenz als originären Bereich ökonomischer Bildung nur indirekt. Gerade angesichts der beschriebenen didaktischen Relevanz der Schwellenkonzeptidee zum einen und der wachsenden Bedeutsamkeit von Finanzkompetenz zum anderen bedarf es einen eigenen auf die Finanzkompetenz abgestimmten Schwellenkonzeptkatalog.

Ziel des Projekts "Schwellenkonzepte der Finanzkompetenz" ist es aufbauend auf Identifizierungsmethoden von Schwellenkonzepten in anderen Fachdisziplinen, einen gesonderten Schwellenkonzeptkatalog der Finanzkompetenz zu identifizieren.

Literaturhinweis

Davies, P. und Mangan, J., 2007: Threshold concepts and the integration of understanding in economics. Studies in Higher Education 32, Nr. 6: 711-726.

Valide Erfassung von Lebensmittelabfällen auf Haushaltsebene und Ermittlung der Bestimmungsgründe zur Abschätzung des Informationsbedarfs der Haushalte  | Prof. Dr. Petra Teitscheid (FH Münster)

Das Thema "Verringerung von Lebensmittelabfällen" steht seit kurzem im Fokus europäischer Diskussionen. Nicht nur das EU-Parlament, die EU-Kommission, der Deutsche Bundestag, verschiedene Bundes- und Länderministerien, sondern auch beispielsweise die Medien erörtern mögliche Ursachen und Auswirkungen von Nahrungsmittelverschwendung. Die große Unbekannte bei all diesen Erörterungen ist jedoch die Menge an Lebensmitteln, die produziert aber nicht verzehrt wird. Bis dato gibt es keine reliable Methode, um diese Daten zu erheben. Entsprechend gibt es keine exakte Bestimmung aller Abfälle entlang der Wertschöpfungskette. Unter diesem Vorbehalt leiden alle momentan diskutierten Lösungsansätze.

Daher ist es erklärtes Ziel des geplanten Projekts zumindest im Bereich Lebensmittelabfälle in Haushalten eine verlässliche Methode zu erproben, weggeworfene Mengen in Relation zu gekauften Mengen zu setzen und gleichzeitig Bestimmungsfaktoren für Verschwendung zu identifizieren. Mit Hilfe der Unterstützungsleistung wird ein Forschungsantrag erarbeitet, der bei dem europäischen transnationalen Forschungskooperationsprojekt SUSFOOD (SUStainable FOOD production and consumption) eingereicht wird. Das geplante Forschungsprojekt soll erstmals durch eine entsprechende Methodenkombination valide Mengen von Lebensmittelabfällen in Haushalten in drei europäischen Ländern erfassen und den Zusammenhang von Lebensmittelabfällen in Haushalten und die Esskultur (Ernährungsstile) erforschen. Das Forschungsdesign sieht außerdem vor, dass der Einfluss von Informationen zu beispielsweise den möglichen Handlungsoptionen in Haushalten zur Verringerung der Lebensmittelabfälle durch Interventionen getestet wird. Eine weitere Besonderheit ist die Durchführung der Studie in drei unterschiedlichen europäischen Ländern mit derselben Untersuchungsmethodik. Dies erlaubt erstmalig den Einfluss kultureller Determinanten auf Lebensmittelabfälle in Haushalten zu bestimmen, ohne dass Verzerrungen durch unterschiedliche Forschungsdesigns, wie es in den bis dato vorliegenden nichtvergleichbaren Studien der Fall ist, entstehen.

Forschungspartner

Dipl.-Ing. agr. Nina Langen (Institut für Lebensmittel- und Ressourcenökonomik, Universität Bonn).

Erhebung verbraucherbezogener Akzeptanz- und Reaktanzkriterien bei Angebot und Nutzung digitalisierter Informationen im Kaufprozess über Onlinemedien und neuen Technologien | Prof. Dr. Sven Pagel (FH Düsseldorf)

Einkaufen auf Online-Shops wird den Konsumenten mit dem One-Click-Prinzip einfach gemacht, doch mit dem Verbraucherschutz tun sich Internethändler schwer. Neben der Überweisung des Rechnungsbetrages fließen seitens der Konsumenten zumeist weitere Informationen in Richtung der Anbieter - mit und ohne ihr Wissen. Die Frage nach dem Umgang mit digitalisierten Verbraucherinformationen wird bisweilen nicht beantwortet. Hier fehlt es vor allem an empirischer Evidenz in der digitalen Verbraucherforschung. Aus Verbraucherperspektive sollen in diesem Antragsprojekt die zentralen Akzeptanz- und Reaktanzkriterien bei Angebot und Nutzung digitalisierter Informationen im Kaufprozess mittels verschiedener Technologiesysteme (z. B. Smartphones) und Onlinemedien (z. B. Webshops) mit Fokus auf die wachsenden Herausforderungen des Datenschutzes untersucht werden. Ausgewählte Themenstellungen der digitalen Verbraucherforschung wie z. B. die Sammlung und Analyse personenbezogener Daten in Sozialen Netzwerken, der anbieterseitige Einsatz von Behavioral Targeting und Data Mining Programmen bei der Kundenkommunikation, die Sicherheit bei der elektronische Übermittlung von Daten beim Online-Kauf, das Auslesen von Datensätzen aus mobilen Endgeräten oder der Einfluss des Verbraucherjournalismus auf den Umgang mit digitalisierten Informationen sollen behandelt werden.

Es gilt den Status quo aus Verbrauchersicht empirisch zu erfassen, um konkrete Implikationen für ein gezieltes verbraucherpolitisches Handeln (z. B. Förderung des Verbraucherjournalismus) zu erarbeiten. Als methodisches Ziel ist die Erweiterung bisheriger Forschungsansätze zum Themenfeld des digitalen Verbraucherschutzes aus betriebswirtschaftlicher sowie kommunikationswissenschaftlicher Perspektive anzuführen. Bisherige Forschungsaktivitäten im deutschsprachigen Raum fokussierten bislang zumeist juristische und journalistische Fragestellungen. Der zu erforschende Ansatz stellt eine Methoden- und Perspektivenvielfalt sicher und stärkt den aktuellen Methodenbaukasten des Forschungsschwerpunkts Kommunikationsforschung.

Kaufkompetenz von Grundschulkindern identifizieren und diagnostizieren | Prof. Dr. Hanna Schramm-Klein (Universität Siegen)

Als das englische Parlament den Infants' Relief Act, der bspw. durch Kinder abgeschlossene Verträge als ungültig erklärt, verabschiedete, war es sein Ziel, Kinder zu schützen "from their own lack of experience and from the wiles of pushing tradesmen and moneylenders” (James 1965; vgl. auch Kunkel et al. 2004). Offensichtlich sahen sich die englischen Parlamentarier zu dieser Regulierung des Marktes gezwungen, weil Kinder nicht immer angemessen auf die kommerziellen Interessen von Händlern, Herstellern und Finanziers reagieren konnten. Der Infants' Relief Act entstammt dem Jahr 1874 und gilt als einer der ersten Versuche von Regierungen, den besonderen Schutzbedürfnissen von Kindern als Teilnehmer auf freien Märkten zu entsprechen (Kunkel et al. 2004).

Ziel des umfassenden Projektes "Kaufkompetenz von Kindern" ist die Deskription der Kaufkompetenz von Kindern sowie die Identifikation von Ansatzpunkten zur Steigerung der Kaufkompetenz von Kindern. Das Projekt will ein Programm entwickeln, das Eltern und Lehrer bei der Vermittlung von Kaufkompetenz an Kinder unterstützen soll. Dazu ist es notwendig, die Besonderheiten des Kaufverhaltens und die Kaufentscheidungsprozesse von (Schul-) Kindern systematisch zu untersuchen, die Kaufkompetenz im Sinne der empirischen Pädagogik zu erfassen, um so Felder zu identifizieren, in denen Kinder aufgrund ihrer psychologischen Entwicklungsstufe und des eingeschränkten Erfahrungshorizonts schutzbedürftig Defizite aufweisen, um im letzten Schritt Schulungsunterlagen und Unterrichtskonzepte zu entwickeln, die den Aufbau von Kaufkompetenz unterstützen.

Literaturhinweise

James, T. E. und Morrison, C. A., 1965. Children and the law. Oxford, New York, NY: Pergamon Press.

Kunkel, D. et al., 2004. Report of the Apa Task Force on Advertising and Children. Washington, D.C.: APA.

Merkmale, Ursachen und Konsequenzen von Energiearmut: Entwicklung eines multi-dimensionalen Erhebungsinstruments | Prof. Dr. Christoph Strünck (Universität Siegen)

Auch in Deutschland nimmt allen Indizien zufolge die Zahl der Haushalte zu, die aufgrund hoher Energiekosten armutsgefährdet sind. Wie stark verbreitet die so genannte "Energiearmut" ist und wie sich Verbraucherinnen und Verbraucher in solchen Situationen verhalten, ist jedoch weitgehend unerforscht. Es fehlen sowohl praktikable Definitionen als auch geeignete Erhebungsinstrumente. Das Projekt hat zum Ziel, ein solches Erhebungsinstrument zu entwickeln, zu testen und erstmalig eine breite, repräsentative Erhebung durchzuführen. Eine solche Untersuchung würde eine wissenschaftliche Lücke schließen und wäre zugleich politisch relevant.

Die Verbraucherpolitik betrachtet inzwischen stärker die so genannten "verletzlichen" Verbraucher, denen es schwerfällt, existenzielle Güter wie Energie, Wohnen oder soziale Sicherung zu finanzieren. Das Projekt entwickelt daher ein Konzept, mit dessen Hilfe in einer repräsentativen Befragung die Gruppe der verletzlichen Verbraucher in der Energieversorgung systematisch erfasst, ihre Situation analysiert und ihre Verhaltensweisen und -möglichkeiten erhoben werden können.

Aus einer solchen Erhebung können dann Rückschlüsse gezogen werden, in welcher Weise die Verbraucherpolitik die Entstehung von Energiearmut verhindern oder ihre Folgen abmildern kann. Das Projekt liefert außerdem grundlegende empirische Erkenntnisse darüber, wie Verbraucherinnen und Verbraucher mit Energie umgehen. Es kann auch Impulse für die Armutsforschung geben, da es sich auf Probleme konzentriert, die mit der Lebens- und Wohnsituation zusammenhängen.

 

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Das KVF NRW ist ein Kooperationsprojekt der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen e. V. mit dem Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz und dem Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen.